Im Jahre 1945, nach dem Krieg, kam es zur Neugrüdnung des Vereins. Der Vertrag als Unterabteilung beim FC Solothurn wurde gekündigt und die Suche nach einem eigenen Trainingsplatz aufgenommen.

Nach langem suchen verpachtete die Bürgergemeinde Solothurn beim heutigen Pfadiheim die Sperisen-Grube. Dies war der stillgelegte Steinbruch Nr. 4 mit einer Fläche von ca. 30 x 60 Metern.

Dass dieses Areal wohl nicht nur aus Gras bestand versteht sich wohl von selbst. So machte man sich an die Arbeit, dieses Stück Schotter in eine Trainingsfläche zu verwandeln.

Nachstehend noch ein poetischer Bericht über die Arbeiten an dem Platz (sehr wahrscheinlich von Hans Leuenberger, unbedingt lesen!). Verfasst im September 1945

Tatsächlich ist in der alten Sperisengrube droben, nordwestlich des Kirchleins von St. Niklaus eine Sportplatz-Anlage im Entstehen begriffen. Wenn die weite Oeffentlichkeit von diesem Unternehmen bisher noch keine Kenntnis erhielt, so nur deshalb, weil es den beteiligten Vereinen daran gelegen war, den Willen zur Verwirklichung des Projektes in Form fortgeschrittener Arbeit unter Beiweis zu stellen, ohne grosse Worte in alle Welt hinaus posaunt werden.

Und wirklich, der Sportplatz-Bau, das gegenwärtige Sorgenkind der Unternehmer, macht bereits seine ersen Gehversuche. Seit mehr als zwei Monaten arbeiten die vier Vereine abwechslungsweise an den Wochenabenden und oftmals auch an Samstag-Nachmittagen in aller Stille und Zufriedenheit an dem werdenden Sportplatz. Nur dann und wann entringt sich den vor harter Arbeit fest zusammengepressten Lippen der jungen "Grubenleute" ein leiser Seufzer, dessen tieferen Sinn ein Uneingeweihter wohl kaum zu ergründen imstande ist.

Seine Kameraden nebenan wissen aber nur allzugut, was dieser Seufzer sagen will. Nicht Müdigkeit, nicht äusserster Kräfteaufwand ist es, - nein, bestimmt nicht, - vielmehr birgt es der Gedanke daran in sich, wie es denn möglich sei, dass im heutigen, fortgeschrittenen Zeitalter in der Stadt Solothurn hinsichtlich öffentlichen Sportplätzen noch solche zum Himmel schreiende Zustände anzutreffen sind, dass von städtischen Vereinen der dürre, steinige Boden einer Grube zwangsläufig als Ort eines Spiel- und Sportplatzes ausgesucht werden muss!

Ich kann den Mut und den grossen Idealismus dieser zuversichtlichen Vereine nur bewundern, die sich unentwegt an das umfangreiche Unternehmen heranwagten, und möchte gleichzeitig der Freude Ausdruck geben, dass scheinbar schon weitere Kreise hievon anerkennend Notiz genommen haben, wie dies die Einsendung unter "Stadtchronik" im Solothurner-Anzeiger Nr. 223 vom 25.9.1945 des "Hintersäss" zur Genüge bewies.

Unternehmen wir nun einen abendlichen Spaziergang in die obere Sperisengrube (Lüthy-Grube).

Durch pechschwarze Nacht pirschen wir uns das steile Strässchen, das in den Fuchsboden führt, hinauf, die Arme nach rechts und nach links ausstreckend, um wenn immer möglich einer Verbrüderung mit dem wegeinsäumende Gebüsch oder den jäh zum Himmel aufschiessenden Tann-Stämmen auszuweichen. Ringsum herrscht nächtliche Stille. Nur das liebliche Rauschen des schlafenden Waldes und vereinzelte heissere Schreie herumziehender Nachtvögel dringt an unsere Ohr.

Da plötzlich ein Licht! - Täusche ich mich, - nein, wirklich, da wo die Strasse ins Grubengebiet einschwenkt, wirft zur Rechten ein Scheinwerfer seinen Lichtkegel auf ein Grüpplein fleissig werkender Burschen. Lustig klirren die kräftien Pickelhiebe in die nächtliche Ruhe hinaus und kommen im Echo von der nahen Grubenböschung klingend wieder. Da wird "gekrampft" was das Zeug hält.

Wüsste man's nicht, wir glaubten bestimmt erfahrene und gewohnte Erdarbeiter vor uns zu haben. Eine Rollwagenbahn führt von der Abbruchstelle vorerst in ca. 2,5 m Höhe über ein kleines Gruben-Zufahrtsträsschen, überkreuzt daraufhin die Strasse auf der man eben hinangestiegen ist, um dann flach auf die Baustelle des werdenden Sportplatzes auszulaufen. Sowohl die Rollwagenbahn, als auch die ca. 15 m lange und 2,5 m hohe Holzbrücke über die Gruben-Zufahrtstrasse wurde von den Initianten selbst in wochenlanger Arbeit eigens errichtet. Rollwagen um Rollwagen gleitet von der Grabstelle zum Bau-Platz hinab, wo wiederum fleissige Hände für richtiges Verteilen der Schuttmassen besorget sind.

Wie romantisch, dieses nächtliche Leben und Teiben aus der Ferne zu verfolgen. Die flackernden Kerzenlichter unten an der Verteil-Stelle, das sich in die Abbruch-Stelle einschmiegende Scheinwerferlicht, die geschäftig bewegten Schatten-Gestalten dieser sportbegeisterten Jungen. Und erst das nächtliche, herrliche Stimmungsbild, das die ganze Szenerie umgibt!

Hinter den sich bedächtig im Winde hin und her neigenden Baumwipfeln erhebt sich sachte die orange-gelbe Scheibe des erwachten Mondes, lange dunkle Schatten über den grell schimmernden Steinboden der Grube hinwerfend, währenddem sich gegen Süden die Gipfel des den Sportplatz umfassenden Tannenwaldes in unregelmässig hohen Silhouetten-Pyramiden vom Sternenfunkelnden Herbstnachthimmel abheben, nach unten aber in eine dichte, schwarze Mauer auslaufend. Beim Anblick all dieser ungeahnten Schönheit ist man leicht geneigt, sich plötzlichen in ein wirkliches Indianerlager aus Karl May's hinreissenden Indianergeschichten versetzt zu fühlen, oder gar inmitten eines lieblichen, vom Frieden bewohnten Märchenlandes zu stehen.

Wohl sind es die bereits früher geschilderten höchst bedauerlichen Um- und Zustände in Solothurn, die gezwungenermassen zu einer ausserordentlichen Lösung der Sportplatz-Frage haben führen müssen. Die Idee aber, hier oben, fern von lärmenden Strassenverkehr, abseits von Wohnsiedlungen eine Sportplatzanlage zu erreichten, birgt unumstritten etwas ganz ideales in sich.

Nach drei Seiten wird der Platz vom Walde begrenzt, wogegen ihn nach Norden der Fuchsbodenweg vom nahen, mächtigen Grubengebiet abtrennt.

Da sind bestimmt keine Materialisten, aus den sportlichen Anlässen grosse Einnahmen erhoffend, am Werk. Nein, für wahr, - an Geschäfte hat hier kein Menscht gedacht; es sind weit erfreulichere Gründe, die zur Inangriffnahme des Projektes führten.

Können wir uns etwas herrlicheres, etwas schöneres denken, als hier auf diesem Kleinod inmitten der friedlichen Rühe und erhabenheit unberührter Natur, umgeben von süssduftender, würziger Waldluft, Sport zu treiben? Von allen Seiten strömt da Gesundheit heran. Ich beglückwünsche Euch, junge Sportler zu diesem, Eurem grossen Werk! Die uneigennützige Arbeit, die Ihr da leistet ist ein Musterbeispiel jugendlichen Strebens und Draufgängertums.

Rund 1000 m3 Erdbewegung erfordert das Ausebnen des Terrains, wozu dann erst noch die notwendige Humus-Schicht kommt, die für gutes Gedeihen des Rasens bürgt. Nur derjenige, welcher sich dem umfangreichen Werk bis zu dessen Vollendung zur Verfügung hält, weiss, dass unzählige, heisse Schweisstropfen dereinst den grünen Rasen seines Sportplatzes miternähren helfen werden, den Platz, der unter seiner eigenen Hände Schaffen an ungezählten Abenden nach des Tages langer Arbeit, in absehbarer Zeit entstehen wird.

Im vornherein war man sich schon bewusst, dass sich die Ausmasse des Spielfeldes mit ca. 70 x 30 m kaum einmal zur Austragung von "Länderspielen" eignen werden. Die Liebe zum Sport, der Drang nach freier Bewegung, nach Training zur Gesunderhaltung des Körpers hat es ihnen aber angetan, das Projekt zu verwirklichen. Ein Kränzlein winden will ich aber auch denjenigen Firmen und Privaten, die bisher in irgendeiner Weise, sei es durch leihweise Materialabgabe, reduzierte Materialpreise, oder baufachmännische Ratschläge, den Vereinen beigestanden sind.

Besonderes Lob der Bürgergemeinde Solothurn für die Zurverfügungstellung des Terrains. Es wäre sehr zu begrüssen, wenn dieser Kreis verständiger, dem Unternehmen wohlgesinnter Geschäftsleute und Privater auch weitere Ausdehnung erführe.

Viel zu schaffen macht den jungen Leuten vor allem aber das Problem der Finazierung der allernotwendigsten Anschaffungen von Materialien und Werkzeugen, die nicht eigens hergestellt werden können. Die beischeidenen finanziellen Mittel über die eigene Vereinskassen verfügen, wurden bereits sehr stark in Anspruch genommen, weshalb tatkräftiger Beistand von Seiten von Dritten in Form irgendwelchen nützlichen Entgegenkommens mit besonderem Dank hingenommen wird.

Um den Gedanken der Finanzierung der unumgänglichen Baukosten in diesem Zusammenhange weiter zu verfolgen, gestatte ich mit die Fraage: "Wie wäre es denn mit einer angemessenen Subvention von Seiten der Einwohnergemeinde Solothurn?" Wird doch durch die Neunalage eines Sportplatzes ein beachtenswerter Beitrag an die Bekämpfung der unanfechtbaren "Sportplatz-Mangelwirtschaft" in Solothurn geleistet!

Zum Abschluss möchte ich mich aber noch einmal an die vier initiativen Vereine wenden; nämlich an den Sportclub Blustavia, den Eishockey-Club Solothurn, die Pfadfinderabteilung der Stadt (Rover) und die Kath. Jungmannschaft St. Niklaus, denen in erster Linie meine Glückwünsche und meine grösste Bewunderung gilt.

"Euer schönes Werk, das nur unter grösster Aufopferung und letzter Hingabe eines jeden zum Ziele führen wird, stellt ein Musterbeispiel jugendlicher Willenskraft und jugenlichen Zielbewusstseins dar!"

"Glückauf Ihr unentwegten Sportler!"

Bericht Seite 1
Bericht Seite 2
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Bericht Seite 4

 

Nachstehend die Aussagen des Präsidenten Hans Leuenberger als Auszug aus dem Jahresbericht vom 4. April 1946 zu dieser grossen Herausforderung:

Zurückkommend auf die Neu-Konstituierung des SC Blustavia vom 30. Mai 1945 im Bahnhofbuffet möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich feststellen, dass damals unter den anwesenden Kameraden endlich wieder das gewünschte rege Interesse für die Ideale und Bestrebungen des SCB zu herrschen schien, wie wir dies nur noch von der alten, goldenen Zeit unseres Vereines her kannten. Jeder hoffte leise, die tiefe, gähnende Schlucht, eine Zeit voller Rückschläge und deprimierender Ereignisse gehöre nun für immer der Vergangenheit an.

Im Anschluss an die Verhandlungen entspann sich eine lebhafte Diskussion. Allgemein herrschte die Auffassung, dass die Pfleg der Kameradschaft im Verein in den Vordergrund gestellt werden müsse. Dies vor allem durch intensives Arbeiten an unsern Trainingsabenden oder aber durch gemütliches Zusammensein an Versammlungen und geselligen Anlässen. Auch der Skisport während der Winterpause, eine jährliche Vereinsreise verbunden mit einem Wettspiel und die Durchführung eines Unterhaltungsabends wurden fest ins Auge gefasst. Eine weniger erfreulichen Angelegenheit war wieder einmal mehr die heikle Platzfrage. Doch fand auch dieses Problem für den Moment eine Lösung, indem wir uns entschlossen, vorderhand für das Training eine Waldwiese in den Anlagen des Wengistein-Gebietes zu benützen.

Die Vorschläge betreffend die Benützung des Platzes des FC Scintilla oder event. die Herrichtung eines kleinen Trainingsplatzes irgendwo im Waldgebiet wurden mit Befriedigung zur Kenntnis genommen und zur Einleitung weiterer Schritte empfohlen.

Das gute Resultat des Abends schien auch unsern neuen Kassier Toni stark beeindruckt zu haben. Jetzt war der Moment da, den günstigen Wind auszunützen um ihn in eine schlaue Finanzaktion einfallen zu lassen. Ein Kassier ohne Geld, das sei doch kaum denkbar, räusperte er sich hinter dem Tisch und startete gleich mit Vorschlägen zur Erlangung eines kleinen Anfangsbestandes. Seine Forderung nach einer freiwilligen Spende durch die Anwesenden fand bei allen herzlichen Anklang und sämtliche anwesende Blustavianer schenkten willig ihr kleines Scherflein. So wurde dem SC Blustavia damals am denkwürdigen 30. Mai 1945 wieder neues Leben eingehaucht.

Das erste Training nach der Neugründung ;-)

Bereits am ersten Abend, da wir uns anschickten, das Training auf der Waldwiese in den Wengistein-Anlagen aufzunehmen, kam es schon zu einer energischen Auseinandersetzung mit dem Anlagenhüter Latscha. Im Verlaufe einer hitzigen Debatte zeichnete sich ganz besonders unser Ruedi aus, der dem unvernünftigen, groben Gesellen eine gehörige Schlappe erteilte. Um weiteren Unannehmlichkeiten vorzubeugen, hielten wir es für angezeigt, für den betreffenden Abend nach einer Trainingsmöglichkeit im Fegetz Umschau zu halten. Der Platz war nicht belegt und wir wagten frisch den Schritt. Das Wort "wagen" darf hier absolut nicht als übertrieben angesehen werden, denn wenn gewisse und darunter sogar prominente Heren Solothurns davon Wind erhalten hätten, wären polizeiliche Massnahmen bestimmt nicht ausgeblieben. Soweit stehen wir in unserem lieben Aristokraten-Staädtchen im 20. Jahrhundert! Der vielseitige Schrei nach neuen Sportplätzen und modernen Sportanlagen stösst hier nur auf scheinbar taube und blinde Menschen.

Unsere letzte Hoffnung mittelst einem gut begründeten Gesuch an de FC Solothurn zu gelangen, schlug ungefähr so, wie wir es uns vorgestellt haben fehl. in poetisch-dramatischer Weise, wie man es von Herrn Max Frutiger, dem unter den Sportsleuten bestgehassten FCS Präsidenten, nicht anders erwarten durfte, wurde des Gesuch abgewiesen und mit ganz besonderer Genugtuung verlieh man an einer Vorstandssitzung des FCS, dem Entschlusse Ausdruck, es sei das Stadion Solothurn aus Konkurrenz-Gründen für den SC Blustavia ein für allemal zu sperren, doch nicht unter dem aufrichtigen Vorwand gefürchteter Konkurrenz, sondern mit der plumpen Entschuldigung einer gegenwärtig zu grossen Beanspruchung des Platzes durch die eigenen Mannschaften.

Unvermittelt setzte ich mich dann mit dem Präsidenten des FC Scintilla in Verbindung auf deren Platz ich eine allerletzte Aussicht auf Trainingsgelegenheit hegte. Doch auch hier vergebliche Mühe. Der FC Scintilla hatte inzwischen des übertrieben hohen Pachtzinses wegen auf die weitere Benützung des Platzes verzichtet. Jetzt durfte die heikle Platzfrage erst recht nicht ruhen gelassen werden. Das erfreulich gut funktionierende Tätigkeitsprogramm durfte unbedingt keinen Abbruch erleiden, nur der mangelnden Spielgelegenheit wegen. Gewiss,  ein Fussball-Klub ohne Platz ist etwa wie ein Fluss ohne Wasser. Die ehemals so friedlich und quecksilbrig dahinfliessenden Wellen versiegen, das Flussbett rocknet aus, das Leben erlischt.

Manche Stunde verbummelte ich, um nach einem Platz Umschau zu halten und wenn es nur eine kleine Wiese wäre. Sie könnte uns die schlimmste Zeit des Mehranbaues bestimmt überbrücken helfen. Endlich, Mitte Juni gelangten wir mit dem Gesuch an die Bürgergemeinde Solothurn, es möchte uns der total unproduktive Gruben-Platz im Steinbruch Nr. 4, nordwestlich von St. Nilaus zwecks Errichtung eines Sportplatzes zur Verfügung gestellt werden. Die Ausmessung des Terrains zeigte, dass sich ein Platz von ca. 30 x 60 m herrichten liesse. Ueber die grosse Arbeit, die wir uns damit aufbürden werden, waren wir uns alle anlässlich einer gemiensamen Besichtigung absolut im Klaren. In dieser Sportplatzangelegenheit setzte ich mich sofort auch mit Herrn Architekt O. Sperisen in Verbindung, der unserem Vorhaben Verständnis entgegenbrachte und sich gerne bereit erklärte, uns das ganze Auffüllmaterial, sowie Rollwagen und Geleiseanlagen zur Verfügung zu halten. Ebenso anerbot er sich unentgeltlich für das Nivelieren des Platzes und sicherte uns zwei seiner erfahrensten Arbeiter zur Errichtung der erforderlichen Geleise-Brücke zu.

Inzwischen gelang es mir auch, in verschiedenen Besprechungen und Konferenzen die Rover der Pfadfinderabteilung der Stadt Solothurn, die Katholische Jungmannschaft St. Niklaus und letztenendes noch den Eishockey-Club Solothurn zur Mithile zu bewegen. Am 6. Juli 1945 kam uns die zusagende Antwort einer Zurverfügungstellung des Platzes durch die Bürgergemeinde zu und am 29. Juli wurde der entsprechende Vertrag rückwirkend auf den 1. Juli 1945 von den Parteien unterzeichnet. Damit war uns wenigstens der Platz sichergestellt. Nun galt es aber erst, tüchtig zu arbeiten. Am 10. August endlich, nach ungezählten Stunden mühevoller Vorarbeit, war das Projekt soweit fortgeschritten, dass die Arbeit von den 4 beteiligten Vereinen gemeinsam aufgenommen werden konnte.

Die Vorbereitungsarbeiten, die ausschliesslich vom SC Blustavia geleistet wurden, waren insofern mit etwelchen Schwierigkeiten verbunden, als zur Ermöglichung der Herbeischaffung der notwendigen Schuttmassen eine ca. 2 m hohe und 15 m lange Rollbahn-Rampe mit einem massiven Holzgerüst errichtet werden musste. Leider vermisste ich dabei allzusehr und allzuoft kameradschaftliche Unterstützung des grösseren Teiles der Aktiven, die es scheinbar als absolut überflüssig fanden, tatkräftig mitzuhelfen. Widerholt musste ich die bittere Feststellung machen, dass es einzelne Kollegen mit gegebenen Versprechen keineswegs so genau nehmen, wie oft wurde mir bei allem Ernst versichert: "Kannst Morgen-Abend auf mich zählen", anderntags jedoch zur verabredeten Stunde stand ich mit einem oder zwei Kameraden allein und aufs tiefste enttäuscht vor der äusserst umfanreichen und schweren Aufgabe. Von Entschuldigungen, keine Rede!Am Tage des Rampenbaues, ich erinnere mich noch gut an diesen strahlenden Samstag-Nachmittag, waren sage und schreibe unserer zwei, Ubald Flury und ich zur verabredeten Arbeit erschienen, wo doch an sämtliche Blustavianer der Appell zur Mithilfe ergangen war. Ich hatte Herrn Architekt mindestens 8 Mann versprochen, der seinerseits bereitwillig zwei seiner Arbeiter hinschickte. Blustavianer! Nennt Ihr das Kameradschaft oder gar guten Vereinsgeist? Ihr nicht, aber ich musste oftmals Euretwegen fatale Blamagen einstecken. Noch heute denk ich mit leisem Schmerz an diese Stunden bitterster Enttäuschung zurück. Ist es denn tatsächlich wahr, dass man sich im SC Blustavia, der bis anhin stets Inbegriff bester Kameradschaft und engster Verbundenheit unter den Mitgliedern war, auf eine solch betrübliche Art und Weise im Stiche lässt. Bringt denn die Mitgliedschaft in einem Vereine wirklich nur rechte, wogegen sie kleine Pflichten kennt? Kameraden, dieser Zustan muss unverzüglich aufhören und er hat auch schon aufgehört. Das alte, feurige Blut soll wiederum durch die Adern unseres Vereins sprudeln. Jeder packt an, wo Not am Manne sit. Zusammenahlten, für unsere gemeinsame Sache einstehen, dann dürfen wir ruhig in die Zukunft hinein blicken!

Am 7. August 1945 war der Rampen-.Bau endlich beendigt und am 10. August begannen die Auffüllarbeiten. In einer Konferenz vom 6.8.45 in den Wirthen wurde zwischen den 4 beteiligten Vereinen über einen die Arbeit regelnden Vertrag beraten, der nach erfolgter Bereinigung von jeder Partei unterschrieben und damit verbindlich werden sollte. Gleichzeitig erfolgte die Bestellung eines Komitees, bestehend aus 8 Mann, je zwei Vertreter eines jeden Vereins, das sich mit allen Platzfragen und Angelegenheiten, die diesen berühren zu befassen hat.

Die Auffüllarbeiten schritten überraschend langsam vorwärts und im Verlaufe zweier Monate intensivsten Schaffens, waren tatsächlich noch keine allzugrossen Fortschritte wahrzunehmen. Ich setzte mich daraufhin mit Herrn Architekt Ischer vom Bau-Departement in Verbindung, der sich gerne bereit erklärte, eine Besichtigung der Arbeitsstätte vorzunehmen, und uns fachtechnisch zu beraten. Das Ergebnis war dann tatsächlich dasjenige, das ich vermutete. Das geplante Platzniveau sei viel zu hoch, was äusserst umständliche und langwierige Auffüllarbeiten bedinge. Das rationellste und schnellste Vorgehen sei unzweifelhaft eine Senken des Niveaus um c. 50 cm, abgraben der Nordböschung und verwendung dieses Materials zum Auffüllen der tieferliegenden, südlichen Platzhälfte. Ist dies nicht der Arbeitsvorgang, wie ich ihn von Anbeginn vorgeschlagen hatte?

Herr Ischer war davon überzeugt, dass durch eine entsprechende Arbeisumstellung ein Zeitgewinn von mindestens 4 Monaten erreicht werde. Dies war das Signal zur Besinnung. Unverzüglich wurden die notwendigen Massnahmen zur Umstellung getroffen und am Donnerstag, den 25. Oktober 1945, machte sich der SC Blustavia erstmals an die neue Aufgabe. Setzten sich die drei andern Vereine zu Beginn des Werkes recht mutig ein, so liese diese Energie bald bei allen mehr oder weniger zu wünschen übrig. Die Kath. Jungmannschaft wurde durch Theaterproben von der Mithilfe abgehalten und fand es nach Schluss der Theateraufführungen nicht mehr nötig, vor Einbruch des Winters wiederum einzugreifen. Der Eishockey-Club stellte ganz plötzlich und unentschuldigt seine Tätigkeit ebenfalls ein. Wie der Sprechende dann endlich erfahren konnte nur einer lächerlichen Bagatellsache wegen, der das Arbeitskontrollheft zu Grunde lag. In diesem wurde nähmlich durch ein Mitglied der Jungmannschaft eine Rekapitulation des bisher geleisteten Arbeitspensums aller vier Vereine vorgefunden, in der der Anteil des Eishockey-Clubs äusserst gering erschien.

Dadurch aufs empfindlichste verletzt blieben die Leute vom EHC kurzerhand und ohne jegliche Mitteilung von der Arbeit weg. Auch wir Blustavianer kamen in dieser Rekapitulation nicht viel besser weg, trotzdem wir doch im Vergleiche zu allen andern eine Riesenarbeit, von Konferenzen und Unterhandlungen gar nicht zu reden, vollbracht hatten. Nur fühlten wir uns dadurch kaum in unserer Ehre gekränkt; das Kontrollheft kann unsere Leistungen nicht verleugnen. Wo aber liegt nun der Has im Pfeffer, des Rätsels Lösung ist leicht. Die vertraglich erforderlichen Kontrolleute haben zum Teil kläglich versagt. Währenddem der unsrige z.B. bei der Jungmannschaft und bei den Pfadfindern stets vertreten war, und die Arbeitsleistung dieser Vereine vorschriftsgemäss in das Kontrollheft eintrug, blieben die Kontroll-Mannen, die uns und die Hockeyaner kontrollieren sollten weg und damit auch die Eintragungen im Kontrollheft, die von einem Verein nicht selbst eingetragen werden durften. Wer hat sich also allen voraus an der Nase zu nehmen? Die Leute vom Eishockey-Club liessen auch je länger je mehr in den Leistungen nach und die Genauigkeit liess zudem stark zu wünschen übrig, weshalb sich der Sprechende einmal veranlasst sah, sie auf solch unkameradschaftliches Verhalten aufmerksam zu machen. Auch jetzt spielte man wiederum die arg verletzte Leberwurst. In einer Konferenz im Rest. St. Urs führte dann eine zwei Stunden lange Verhandlung zu Beginn des Monats November schlussendluch wieder zur gütigen Einigung und der EHC erklärte sich bereit, im Frühjahr 1946, nach Ablauf der Eishockeysaison am Platze weiter zu arbeiten.

Eine äusserst betrübliche Rolle spielten aber bei der ganzen Angelegenheit die allzeit bereiten Pfadfinder, bezw. die "Rover" der Pfadfinderabteilung der STadt. Von Anbeginn weg boten sie schon eine klägliche, unzulängliche Arbeitsleistung. Wenn sie einmal 4 Mann zur Arbeit brachte, war es bestimmt das Maximum. Dann wurde aber nicht gearbeitet, bei weitem gefehlt. Dann wurde am laufenden Bande "gelafert", statt geliefert und man vertröstete sich seelenruhig auf die Zeit, wo die andern, inklusive dem "Indianerhäuptling und Schürzenjäger" Rutz aus der Rekrutenschule zurückkehren werden. Und sie kehrten dann wirklich zurück und "Allzeit bereit" wie immer zog sich die Gesellschaft feige und grundlos aus der Affäre.

Es braucht eben allerhand Mut und Aufopferung, um ein grosses Werk zu vollbringen. Wie viel leichter und angenehmer ist es doch, mit einigen hübschen Weibchen zu später Abendstunde Arm in Arm dem Walde zu, ins Pfadi-Heim zu pilgern um da zu tanzen, um sich bis in den frühen Morgen hinein zu amüsieren, Zu solchen und ähnlichen Spielen, die sich meines Wissens mit den Gesetzen der Pfadfinder entschieden kreuzen, sind Rutz und Konsorten "Allzeit bereit". Diese Feststellungen, die eigentlich nicht in einen Jahresbericht hineingehören, möchte ich dennoch an dieser Stelle festgehalten haben, denn es ist mir ein Befürfnis, Euch unumwunden davon Kenntnis zu geben, wie es um die "Rover" der Pfadfinderabteilung der Stadt Solothurn, die den jungen Nachfolgern als Vorbild dienen sollten, heute bestellt ist.

All diese Vorkommnisse sind in erster Linie dem Umstande zuzuschreiben, dass der Arbeitsvertrag zwischen den 4 Vereinen, der von uns schon zu Beginn des Monates August 1945 fix und fertig zur Unterzeichnung bereit lag, leider nie von allen Parteien unterschrieben wurde. Mindestens 5 Konferenzen berief ich zu diesem Zwecke ein und jedesmal hatte man von verschiedenen Seiten irgendwelche Entschuldigungen, die eine Unterzeichnung des Vertrages erneut scheitern liessen. Schlussendlich zu Begin des Monats Dezember 1945 war es endlich die Kath. Jungmannschaft, die als erste nach uns die bezüglichen Verpflichtungen einging, währenddem die Pfadfinder ja bereits ausgeschieden waren, und die Eishockeyaner mit der plumpen Zusicherung aufrückten, bei Wiederaufnahme der Arbeiten im Frühjahr die definitive Vertragsunterzeichnung zu vollziehen. Eine erneute Zusammenkunft vor 3 Wochen führte wiederum nicht zum Ziel. Wieder waren es die Leute vom Eishockey-Club, die uns Schwierigkeiten bereiteten, indem ihnen die Vollmacht zur Unterschrift von kompetenter Seite nicht erteilt wurde. Aus den gemachten Mitteilungen heraus, konnten wir entnehmen, dass ein gewisser "Wühler" in den Reihen ihres Vereins Unfriede heraufbeschwöre und die Leute nach bester Möglichkeit zu unterholzen versuche, sie dazu auffordere, sich vom Sportplatzbau fernzuhalten. Eine Rücksprache mit dem Präsidenten Herrn Graber ergab jedoch das Resultat, dass an der G.V. des Eishockey-Clubs, die ebenfalls am heutigen Abend stattfindet, darüber verhaldelt werde und dass bestimmt eine Gruppe des EHC die Arbeit fortsetzen werde. Nachdem man sich vergangenes Jahr dazu bereit erklärt habe, sei es selbstverständlich, dass seine Leute weiterarbeiten werden.

Der Endeffekt der ganzen, langen und ekelhaften Geschichte ist bestimmt der, dass man sich scheut, irgenwelche Verbindlichkeiten einzugehen, die doch schlussendlich für alle 4 Parteien ein und dieselben sind. Muss man sich öfters mit derartigen, schlüpfrigen Gesellen abgeben, so bekommt man je länger den Eindruck, man habe es mit "Buben" zu tun und nicht mit jungen, frischen und munteren Sportlern. Wir können nur wünschen, dass sich unser Mitgliederbestand in der nächsten Zeit in dem Masse vergrössert, dass wir nicht mehr unbedingt auf derart bemühende Leute angewiesen sind. Mit dem Einsatz von 2 - 3 Arbeitsgruppen zu je 6 bis 7 Mann und der Mitwirkung der Kath. Jungmannschaft wäre die Bewältigung des Arbeitspensums durchaus möglich. Darum, werben wir neue Mitglieder, machen wir uns zu einem starken, unabhängigen Verein, dann schaffen wir selbst, was durch die Mithilfe von Dritten so beschwerlich erscheint.

Letztmals am 3. Dezember tragen sich die Unentwegten des SCB im Jahre 1945 bei grimmiger Kälte und einer dünnen Schneedecke zur Arbeit im Steinbruch droben, um am 22. März 1946 nach etwas mehr als 3 Monaten mit neuer Kraft und frischen Mutes die Tätigkeit wiederum aufzunehmen. Wir dürfen stolz darauf sein, keinen Moment am guten Gelingen des Werkes gezweifelt zu haben. Wo ein Wille, da ist auch ein Weg.

Originaldokumente, ganzer Jahresbericht vom 4. April 1945
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Der Sperisen-Grube als Trainingsgelände war schlussendlich kein Erfolg beschieden. Irgendwann wurden die Arbeiten abgebrochen, doch der Wunsch nach einer eigenen Sportstätte blieb weiterhin bestehen.

Hans Leuenberger und seine Blusti-Jungs liessen nicht nach und sie blieben weiterhin hartnäckig. Tatsächlich gelang es dann, 7 Jahre nach dem Scheitern der Sperisengrube, im Jahre 1953 einen Pachtvertrag für ein Ackerfeld in der Aarmatt von der Einwohnergemeinde Solothurn zu erhalten.

Dies war der Beginn einer eigenen Heimat in der Aarmatt, die danach bis Mitte der 1970iger Jahre hielt.

Hier gehts zur Dokumentation der Aarmatt

 

Sperisengrube - oder Steinbruch Nr. 4 - Die Dokumente

(Erste erfolglose Bemühungen für einen eigenen Trainingsplatz)

Unterlagen über die Sperisengrube mit Verträgen, Berichten und Besprechungen
01.07.1945
06.07.1945
24.07.1945
10.08.1945 / 1
10.08.1945 / 2
10.08.1945 Vertrag 1
10.08.1945 Vertrag 2
10.08.1945 Vertrag 3
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Bericht Seite 2
Bericht Seite 3
Bericht Seite 4
26.10.1945
15.11.1945
21.12.1945

 

Dokument geschrieben von Tom Wälti - Januar bis März 2014